Einen ausführlichen Artikel über „Rollenspiel“ und diverse Links findet ihr hier:Wikipedia
Was ist DSA?
„DSA“ steht für „Das Schwarze Auge“, ein sogenanntes Pen&Paper-Rollenspiel.
Und was ist nun ein Pen&Paper-Rollenspiel?
Oh... nun, dann will ich mich an einer Erklärung versuchen.
Ein Pen&Paper-Rollenspiel (im Folgenden als „P&P“ bezeichnet) ist ein interaktives Spiel, in dem die Beteiligten fiktive Charaktere darstellen. Einer der Teilnehmer übernimmt die Rolle des Spielleiters. Das bedeutet, er oder sie stellt eine Art „Regisseur“ dar und beschreibt die Umgebung, die Handlungen von Charakteren, die nicht von den Spielern gesteuert werden, etcetera. Meistens gibt es ein bestimmtes Ziel, das erreicht werden soll (einen Gefangenen befreien, eine Stadt von marodierenden Orks befreien, ein bestimmtes Artefakt finden...). Die Charaktere arbeiten zusammen, um dieses Ziel zu erreichen – anders als in einem Gesellschaftsspiel gibt es also keine Gewinner und Verlierer und keinen Wettstreit zwischen den Spielern.
Äh... aha...?
Das ist gar nicht einfach zu beschreiben! Aber wartet, vielleicht helfen einige Beispiele weiter.
Stellt euch einen spannenden Film vor, der in einer fantastischen Welt spielt. Wenn ihr im Kino oder vor dem Fernseher sitzt, könnt ihr den Helden zusehen – und habt sicher schon einmal frustriert aufgeschrien, weil euch eine bestimmte Aktion absolut sinnlos vorkam: „Das hätte ich ganz anders gemacht! Und zwar...“
Im Rollenspiel habt ihr den Vorteil, daß ihr die Helden darstellt und deren Handlung bestimmen könnt. Der Spielleiter ist euer Regisseur und beschreibt euch die Szene – was ihr genau tut, bleibt euch überlassen. Natürlich gibt es ein paar Regeln, an die man sich halten muß, aber die beste Richtlinie ist der gesunde Menschenverstand.
Dafür ist weder eine Kamera nötig noch eine Verkleidung - alles, was man braucht, sind Papier, Stifte und ein paar Würfel!
Die Helden – also die Charaktere, die von den Spielern geführt werden – existieren im Grunde nur auf dem Papier. Sie haben eine gewisse Anzahl an Grundwerten. So besitzen sie z.B. Eigenschaften wie „Klugheit“, „Charisma“ oder „Körperkraft“. Außerdem verfügen sie über Talente wie Kochen, Klettern, Überreden oder Tierkunde und über Kampffertigkeiten. Magisch begabte Helden haben natürlich noch einige Zauber im Repertoire. Alle diese Eigenschaften und Talente haben Zahlenwerte, die festlegen, wie gut oder schlecht der Held in der entsprechenden Sache ist. Um zu prüfen, ob einem Helden etwas gelingt, wird mit einem oder mehreren zwanzigseitigen Würfeln eine Probe abgelegt. Solche Proben verhindern, daß einem Helden einfach alles gelingt, weil der Spieler es so will – ein gewisser „fantastischer Realismus“ ist nötig und fördert die Spannung beim Spielen. Natürlich werden nicht dauernd Proben abgelegt – laufen und sprechen kann natürlich jeder Charakter, und die meisten Handlungen werden frei beschrieben.
Die Spieler schildern diese Handlungen meist aus der Sicht ihrer Charaktere. Wenn Stefan jetzt den Krieger Alrik spielt und von einem grimmigen Ork angegriffen wird, dann sagt er nicht etwa: „Also, Alrik nimmt sein Schwert und wehrt sich.“ Er versucht eher – wie jeder Schauspieler das tut – sich in den Charakter hineinzuversetzen. Also etwa so: „(mit verstellter, etwas tieferer Stimme) Das war ein Fehler, Schwarzpelz!“ Dann beschreibt er aus der Ich-Perspektive, was er tut: „Ich ziehe mein Schwert, setze einen grimmigen Blick auf und versuche, diesem Ork ordentlich einzuheizen.“
Du sagtest doch etwas von Beispielen. Irgendwie kann ich mir das gerade nicht vorstellen.
Also gut, ein Versuch...
Es ist Wochenende, und einige Freunde haben sich zu einer gemeinsamen DSA-Runde versammelt. Einer von ihnen übernimmt die Aufgabe des Spielleiters (SL). Spieler A spielt einen Magier, Spielerin B eine Kriegerin und Spieler C einen reisenden Händler. Die Gruppe hat schon ein paar Spielabende hinter sich und hat am letzten Abend ein Gasthaus gefunden, in dem die Helden übernachtet haben.
SL: „Nachdem ihr die Nacht im Gasthaus verbracht habt, erwacht ihr am frühen Morgen erholt und ausgeruht. Es ist noch recht still im Gebäude, nur unten aus dem Schankraum hört man schon leise Stimmen und das Klappern von Tellern.“ A: „Ich bin noch nicht so recht wach, gähne erst einmal ausgiebig und schaue nach, ob meine Kameraden schon aufgewacht sind.“ B: „Ich bin schon recht munter und vor allem hungrig – deswegen ziehe ich mich kurz zurück, um mich anzukleiden, und schlage dann vor, frühstücken zu gehen.“ C (mit leicht verstellter Stimme): „Eine gute Idee! Mein Magen knurrt schon wie ein wütender Wolf. Laßt uns nach unten gehen!“ A: „Na gut, ich raffe mich auch mal auf...“ (wenig später) SL: „Als ihr euren Schlafraum verlaßt, hört ihr plötzlich Lärm von unten. Eine Männerstimme flucht laut, und dann klirrt etwas, als sei ein Teller zerbrochen.“ B (mit leicht verstellter Stimme): „Was geht da vor sich?“ (mit normaler Stimme): „Ich lausche mal, ob ich etwas verstehe.“ SL: „Gut, dann mach' bitte eine Probe auf Sinnenschärfe.“ B (holt einen zwanzigseitigen Würfel heraus und würfelt dreimal): „Hmm... ja, gelungen, noch drei Punkte übrig.“ SL: „Du versteht die Stimme nur schlecht, aber kannst Bruchstücke aufschnappen: 'Dein Problem, wenn du dein Schutzgeld nicht zahlen kannst!' und dann etwas über 'dafür büßen'.“ B (in empörtem Ton): „Dort unten wird ein Unschuldiger bedroht! Wir sollten ihm helfen!“ C (in ängstlichem Ton): „Aber wenn da unten nun eine ganze Bande lauert?“ A: „Das werden wir rechtzeitig sehen. Laßt uns einfach leise sein, vielleicht bemerken sie uns nicht.“ (zum SL) „Wir versuchen, die Treppe hinunterzuschleichen.“ SL: „Gut, dann würfelt bitte alle eine Probe auf Schleichen.“ Jeder Spieler würfelt, dann nicken A und B, nur C runzelt die Stirn: „Nicht geschafft, einen Punkt drüber.“ SL: „Ihr bewegt euch also leise die Treppe hinab. Als ihr schon fast unten seid, gibt eine der Stufen ein lautes Knarren von sich... (macht eine dramatische Pause und läßt selbst dreimal den Würfel rollen) Jedoch scheint man in der Schankstube nichts bemerkt zu haben, ihr habt noch einmal Glück gehabt.“ C (flüsternd): „Verzeiht meine Ungeschicklichkeit... Aber sie scheinen es nicht gehört zu haben.“ B (zum SL): „Ich ziehe so leise wie möglich mein Schwert und werfe einen Blick um die Ecke...“
Natürlich hätten die Charaktere nicht schleichen müssen. Sie hätten auch mit gezogenen Waffen in die Schankstube stürmen können – oder entscheiden können, daß sie die Sache gar nicht interessiert. Und auch jetzt stehen ihnen sämtliche Möglichkeiten offen – den/die Erpresser angreifen, ihn überreden, den Wirt in Ruhe zu lassen, oder was auch immer ihnen einfällt.
Wie würdest du dich entscheiden? ;-)
Eine gute Frage. Also, ich persönlich würde ja...
... genau, du persönlich hast sicher eine feste Vorstellung davon, was du tun würdest. Aber die Herausforderung beim P&P besteht darin, eine Figur darzustellen, die sich ein wenig von dir unterscheidet. Nehmen wir wieder das Beispiel des Schauspielers – nur selten wird eine Filmrolle seinem wahren Charakter entsprechen. Er wird im Film Entscheidungen und Emotionen spielen, die für die dargestellte Figur aufgrund ihres Charakters und ihres Hintergrunds logisch sind. Und so ist es auch im P&P.
Bei DSA gibt es das System der Vor- und Nachteile. Es dient dazu, einer Figur etwas mehr „Profil“ zu verleihen. Vorteile sind z.B. eine schnelle Heilung, gutes Aussehen, eine besondere Begabung für ein Talent oder ein zuverlässiger Richtungssinn. Nachteile sind z.B. Farbenblindheit, Höhenangst, ein schlechter Geruchssinn oder Schulden. Solche Vor- und Nachteile bestimmen manchmal auch die Handlungen des Charakters. So wird die neugierige Magierin vielleicht die Tür öffnen, die den Krieger gar nicht interessierte. Oder der jähzornige Söldner wird nach einem dummen Spruch eine Prügelei beginnen, während die Jägerin höchstens verächtlich geschnaubt hätte.
Auch der Hintergrund des Charakters spielt eine Rolle. Man kann natürlich losspielen, ohne sich jemals zu überlegen, wo der Held geboren wurde und wie seine Kindheit war – man kann sich allerdings auch eine kurze oder längere Hintergrundgeschichte ausdenken. Und wenn in dieser Geschichte Piraten vorkommen, die die Diebin und ihre Eltern vor Jahren auf einer Schiffsreise überfielen, dann wird besagte Diebin sich vielleicht schwer tun, wenn sie für ein Abenteuer mit einer Piratenbande zusammenarbeiten soll.
Ich höre immer etwas von Magiern, Kriegern, Jägern... Spielen alle Rollenspiele in solchen Fantasywelten?
Nein, nicht alle. Es gibt Rollenspiele für jeden Geschmack – ob es nun Fantasy, Sci-Fi, Cyberpunk oder was auch immer ist. Aber hier geht es um DSA, und dieses spielt in einer fantastischen Welt mit Kriegern, Magiern und allem, was dazugehört. Dabei ist DSA eher am „realistischen“ Ende des Fantasyspektrums angesiedelt – man beginnt hier als relativ unerfahrener Charakter und kann neben Magiern und Kriegern auch Händler, Fischer, Höflinge, Schreiber oder Botenreiter spielen. Natürlich gibt es besondere Fertigkeiten und mächtige Zauber, aber tonnenweise magische Artefakte und Superheldenkräfte wird man eher vergeblich suchen.
Was muß ich machen, wenn ich so etwas einmal ausprobieren will?
Am besten suchst du dir ein paar Leute, die DSA spielen und vielleicht schon etwas erfahrener sind. Dabei kann dir z.B. die Spielerzentralehelfen, oder du schaust in ein Rollenspielforum (einige davon findest du in der Linkliste), wo es oft Unterforen namens „Spielersuche“ oder „Gruppensuche“ gibt. Keine Scheu, wenn du Anfänger bist – jeder von uns hat einmal angefangen! Wichtig ist, daß diese Leute dir sympathisch sind und du gut mit ihnen zurechtkommst. Trifft dies nicht zu oder kommt dir etwas komisch vor, suche dir lieber eine andere Gruppe. Beim Rollenspiel kommt es schließlich auf Gemeinschaft und Zusammenarbeit an, und natürlich darauf, daß jeder Spaß am Spielen hat!
Hast du Fragen oder bist dir über eine bestimmte Sache unsicher, kannst du auch in verschiedenen DSA-Foren nachfragen. Meist wird Einsteigern dort schnell geholfen.
Egal, wie deine Entscheidung ausfällt – ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Beschreibung etwas weiterhelfen. Vielleicht wird diese in Zukunft auch noch erweitert oder verändert, wenn ich merke, daß bestimmte Punkte unklar sind bzw. ganz fehlen. Natürlich kannst du mir auch mailen (siehe Impressum), wenn du eine Frage hast.